Meilensteine in der Entstehungsgeschichte von Humus+

2007

Startveranstaltung mit Prof. Helga Kromp-Kolb

Eine Bürgerversammlung wird von 7 Gemeinden rund um Kaindorf ausgerufen. Ziel ist es, als Region aktiv zu werden und den drohenden Klimawandel aufzuhalten. Das Interesse der Bevölkerung ist sehr groß und die Kulturhalle in Kaindorf ist voll gefüllt. Im Anschluss melden sich sofort 100 Freiwillige, um in den ersten 8 Arbeitsgruppen mitzuhelfen. Die Ökoregion Kaindorf ist somit gegründet. Auch die Arbeitsgruppe Landwirtschaft entsteht unmittelbar nach dieser Veranstaltung.

2007

Das erste Humussymposium

Das erste Humussymposium findet noch im selben Jahr statt. 30 Experten diskutieren im Saal des Gemeindeamtes einen Tag lang über die Möglichkeiten der Humusanreicherung in Böden. Herausragende Teilnehmer sind unter anderen Prof. Hülsbergen (FH Weihenstephan) und Prof. Leonore Kutschera (Wurzelatlas) sowie Vertreter der Boku und der TU Graz (Prof.Berg). Es wird beschlossen, alle aufgezeigten Ideen bei einigen Landwirten sofort auszuprobieren.

2008

Landwirte starten mit aktivem Humusaufbau

Beim 2. Humussymposium in Ebersdorf wird von Prof. Glaser erstmals das Konzept der Terra Preta vorgestellt. In der Arbeitsgruppe Landwirtschaft wird mit 5 Landwirten auf je einem Hektar begonnen, mit dem bisher vorhanden Wissen Humus anzureichern. Ziel ist ein sehr rascher Humusaufbau, um anhand dieser Flächen die Vorteile von humusreichen Böden demonstrieren zu können. Möglich wird dies durch den Einsatz von großen Kompostmengen und der gleichzeitigen Einführung einer Winterbegrünung. Im ersten Jahr der Umstellung wird auf den Ertrag verzichtet und die Begrünung (Landsberger Gemenge) etabliert. In einem groß angelegten Forschungsprojekt mit der Boku wird die Stabilität des ausgebrachten Kompostes untersucht.

2010

Selbstanzeige wegen „übermäßiger“ Ausbringung von Stickstoff

Da nach unzähligen Besprechungen mit den Behörden auf Bezirks-, Landes und Bundesebene keine Möglichkeit gefunden wird, Kompost und organischen Dünger in für Humusaufbau relevanten Mengen, rechtlich gesichert auszubringen, wird versucht, mit einer Selbstanzeige Bewegung in die Sache zu bringen. Nach einer Verurteilung in der ersten Instanz (BH Hartberg), verschwindet unser Einspruch beim Verwaltungssenat in Graz. Es wird uns zwar telefonisch mitgeteilt, dass wir den Prozess verloren haben, es wird dazu aber nie ein Urteil ausgestellt, obwohl wir dieses mehrmals urgieren. Dadurch wird also die Praxis des Humusaufbaus unter Verwendung von organischen Düngern und Kompost stillschweigend zur Kenntnis genommen und seither von der Behörde akzeptiert.

2010

Erste Verleihung von Humuszertifikaten

Gemeinsam mit unserem Malermeister Hannes Herbsthofer aus Kaindorf wird ein Humus-Zertifikate-Modell entwickelt und die ersten Gelder an Landwirte werden ausbezahlt. Der Preis von 30€/to CO2 für den Landwirt wird durch Berechnungen des Zusatzaufwandes festgelegt. Diese erste Zertifikatverleihung wird bereits vom ORF gefilmt und in einem kurzen Bericht ausgestrahlt.

2011

Projekt „Klimakohl statt Chinakohl“

Gemeinsam mit Frutura und SPAR wird die Idee geboren, das Thema Humus auch über die Produkte in die Bevölkerung zu bringen und eine eigene Marke aufzubauen. Nach zwei Jahren muss aber eingestanden werden, dass die Versprechungen, gleichzeitig mit der Gemüseproduktion Humus anreichern zu können, mit dem bisherigen Wissen nicht eingehalten werden kann. Das Projekt wird schließlich eingestellt, da nicht ausreichend Ressourcen für die Beratung und Betreuung der Landwirte zur Verfügung steht.

2012

Humusfilm

Der sehr aufwendig produzierte Dokumentarfilm „Humus – die vergessene Klimachance“ wird im Rahmen der Humustage erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und bringt damit das Thema Humusaufbau in die breite Masse. Außerdem wird die erste abfallrechtlich bewilligte Pflanzenkohleproduktionsanlage Europas im laufenden Betrieb präsentiert.

2013

Humustage 3-tägig

Erstmals werden die Humustage als eine 3-tägige Veranstaltung abgehalten. Mittlerweile hat sich dieses Event als jährlicher Fixpunkt und Treffpunkt der Humusbranche etabliert. Die nun eingeführte Teilung in „Kompost-Fachtag“, „Humus-Fachtag“ für Praktiker und „Humus-Symposium“ für Wissenschaftler wird später wieder verworfen, um die Verbindung unter Praktikern und Wissenschaftlern zu stärken, sie näher zusammenzubringen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.

2014

International humus experts meeting

Erstmals in der Geschichte dieses Projektes wird eine internationale Veranstaltung in englischer Sprache (inkl. Simultan-Übersetzung) organisiert. Dabei gelingt es, die besten Experten weltweit zu finden und einzuladen. Es sind Dr. Stephen Joseph (Australien, biochar), Dr. Christine Jones (Australien, Amazing carbon), Michael Melendrez (New Mexiko, soil secrets), Dr. David Johnson (New Mexico, composting process), Dr. Olivier Husson (Frankreich, CIRAD-Studie) und Dr. Bruno Glaser (Deutschland, Pflanzenkohle) als Referenten anwesend.

2017

Pilze als entscheidender Faktor

Pilze als entscheidender Faktor im Bereich Humusaufbau, rücken nun immer mehr ins Zentrum des Interesses. Eine Präsentation von Univ.-Prof. Mag. Dr. Joseph Strauss, einem der weltweit renommiertesten Genomforschern, versetzt die Anwesenden in Staunen. Ihm gelang der Nachweis, dass Mykorrhizapilze innerhalb von Sekunden freies Nitrat im Boden binden können.

2018

Internationales Treffen zum Thema Pflanzenkohle

2018 findet das internationale Treffen zum Thema Pflanzenkohle in der Ökoregion mit Teilnehmern aus USA, Saudi Arabien, Deutschland, Norwegen, Australien, Indien, Holland, Indonesien, Schweden, Finnland, England und Kroatien statt. Dabei wird der neueste Wissensstand der Pflanzenkohleforschung präsentiert. Die Teilnehmer sind von den diesbezüglichen Aktivitäten in der Ökoregion Kaindorf sehr beeindruckt und es bestätigt sich einmal mehr, dass durch den bisherigen Werdegang eine weltweite Führungsrolle etabliert werden konnte. Um das neue Stockholmer Baumpflanzsystem zu demonstrieren, wird am Schulhof ein Baum gepflanzt, wobei das neu entwickelte Pflanzenkohle-Feinsubstrat von Sonnenerde zum Einsatz kommt.

2019

Entdeckung eines Bodenprofils in Ungarn

2019 kommt es zur Entdeckung eines Bodenprofils in Ungarn, wo in nur wenigen Jahren ein massiver Humusaufbau in tieferen Schichten stattgefunden hat. Dies ist der Start der Forschungsaktivitäten in diese Richtung und der Untersuchung des dafür angeblich verantwortlichen Produktes der Firma SOBAC aus Frankreich.

2020

Internationales Interesse an Humus+

Internationales Interesse am Humus+Aufbauprojekt nimmt ständig zu. Besuche aus nahezu allen Ländern Europas fanden bereits bei uns statt. Besonders intensive Gespräche gibt es mit Interessenten aus Deutschland, Holland, Tschechien und Slowenien. Es entstehen und entwickeln sich immer mehr Modelle für den Humuszertifikatehandel nach dem Vorbild der Ökoregion Kaindorf.

2021

Humus+ Modell Ökoregion Kaindorf

Das Humusaufbauprojekt bekommt mit „Humus+ Modell Ökoregion Kaindorf“ eine neue Struktur und öffnet sich noch stärker für Kooperation in Europa. Mit Slowenien gibt es nun einen ersten Vertragspartner, der das Humus+Aufbauprojekt in einem anderen europäischen Land umsetzt. Pandemie-bedingt finden die Humustage mit 444 TeilnehmerInnen erstmals online statt, wodurch es sogar einem Zuschauer aus Neuseeland möglich ist, daran teilzunehmen.


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